„Instagram ist tot, folgt mir jetzt auf TikTok“

m&k Kolumne #2

Hiess es in einem Post-Text in meinem LinkedIn-Feed. Also, wie jetzt? Mein Salz- und Pfefferstreuer war so schnell gezückt, selbst Lucky Luke’s Schatten wäre neidisch geworden. Bereit, meinen Kommentar unter dem Post mit der nötigen Würze zu versehen, bis die Tasten schwiegen und ich inne hielt: „Nein, das soll deine nächste m&k-Kolumne sein“.

Jetzt habe ich doch erst gerade Facebook mein Beileid fürs frühe Ableben ausgedrückt und jetzt soll ich mich auch schon vom jüngeren Geschwister Instagram verabschieden? Was ist das nur für eine grausame Social-Welt, in der wir leben?

Aber jetzt mal ernsthaft: Wie oft wurde Facebook in den letzten Jahren totgesagt und jetzt soll Instagram dran sein? Zu diesen Schlüssen kann man nur kommen, wenn man nicht versucht das ganze Bild zu sehen. Im ersten Quartal 2020 hatte Facebook 2.6 Milliarden MAUs (Monthly Active Users / Source: Facebook) und damit einen 10% höheren Wert als im Vorjahr. Nennt man so etwas tot? Falls ja, müssen wir glaube ich mal die Begrifflichkeit des Wortes „tot“ überdenken.

Sind nicht mehr so viele GenZler (ja, das ist jetzt ein Wort) auf Facebook? Natürlich. Das liegt daran, dass Social-Plattformen stetig im Wandel sind und die User wachsen mit ihnen mit. Als Facebook an den Start ging, war ich 13 Jahre alt. 16 Jahre später ist nicht nur Facebook älter geworden, sondern – Überraschung – auch ich als Nutzer. Facebook war eine Studenten-Plattform um Partys und Saufgelage zwischen den Unis zu organisieren. Heute tauschen sich Eltern in Facebook-Gruppen über Kindererziehung aus und auf dem Marktplatz wird rege gehandelt und getauscht.

Vereinfachen wir die Aussage: Nur, weil du und deine Altersgenossen nicht auf einer Social-Plattform unterwegs sind, ist sie deswegen nicht unbedeutend. Das gilt übrigens für jung und alt.

Es ist jedoch nicht nur eine Alters- und Zielgruppenfrage, welche immer wieder dazu führt, dass Marketeers und Early Adopters neue Plattformen anpreisen und dabei etablierte Player vernachlässigen. Es ist die Frage, ob man auf der neuen Plattform endlich die Chance auf die grosse Followerschaft und Reichweite hat, die man schon immer wollte: „Ist jetzt endlich meine Zeit gekommen, um zu glänzen?“

Die Annahme, man müsse stets dem Hype hinterherrennen und von einer Plattform zur nächsten springen, ist falsch. Social Media ist kein Trend, Social Media ist die nächste Stufe des Internets und nicht irgendein Fidget-Spinner oder eine Plank-Challenge, die wieder verschwinden.

Darum lasst euch gesagt sein, liebe Early-Adopters und Marketeers: Es gilt, sich die Social-Plattform/en herauszupicken, die für die eigene Strategie und Zielsetzung am besten geeignet ist/sind. Es ist immer noch besser, wenn man etwas zuerst richtig macht, bevor man sich auf die vermeintlich grünere Wiese stürzt. Auf den älteren Wiesen gibt es nämlich noch genügend Potenzial.

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